Im April saßen wir bei “Überblogger” Robert Scoble abends im Wohnzimmer und Robert zeigte uns seine Videoaufnahmen, die er ein paar Tage zuvor bei einer Pressekonferenz von FriendFeed gemacht hatte. Scoble war sichtlich begeistert vom neuen Interface, das FriendFeed ein paar Tage später einführen sollte. Vor allem die Echtzeitsuche und die Möglichkeit, mehr als nur 140 Zeichen absetzen zu können, schienen es ihm angetan zu haben.
Was bei Produktdemos ja häufig der Fall ist, wenn Leute, die die Software selbst programmiert haben, sie vorführen, sieht es kinderleicht aus. Alle Verlinkungen und Anwendungen machen auf den ersten Blick Sinn. Und in der Tat ist FriendFeed ja auch wirklich eine sehr praktische Ergänzung. Es ist so ein “Mittelding” zwischen Twitter und Facebook. Keine Plattform, die ich als erste Anlaufstelle ansteuern würde, aber ein Dienst, der es erlaubt, bei Twitter einen Tweet abzusetzen, um dann bei FriendFeed in Echtzeit weiterzudiskutieren ohne Beschränkung auf 140 Zeichen. Praktisch auch deshalb, weil ich nach Tweets suchen kann, die bei Twitter vermutlich längst gelöscht sind. Doof nur, dass nicht alle Twitter-User bei FriendFeed sind…
Offen gestanden war ich im April skeptisch, ob FriendFeed tatsächlich das Zeug haben dürfte, so viele Benutzer anzuziehen, wie das bislang Twitter gelang. Mir gefiel auch die modernisierte Oberfläche nicht. Ich weiß nicht, ob es meinen Bekannten Joerg Land (ganz rechts im Bild) und Sarik Weber (zweiter von rechts) (beide vom ehemaligen Hamburger Start Up Cellity) ähnlich ging. FriendFeed war und ist für mich eher klassische Middleware, es stellt idealerweise Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Netzwerken her, weil es sich dazwischenklinkt.
Im Nachhinein kann sich das FriendFeed Team glücklich schätzen, Robert Scoble als Fan zu haben. Denn er nutzt Twitter zwar intensiv, in vielen Fällen zieht er aber seine Follower direkt zu FriendFeed rüber, um dort in Echtzeit mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.
Ich kenne wenige Anbieter, mit denen sich verschiedene Netzwerke und Plattformen so geschickt verbinden lassen. Nur ein Dienst fällt mir da spontan ein: myON-ID aus München bietet mit seinem Content-Stream eine ähnliche Funktionalität, wenngleich die Ausrichtung der Plattform eine gänzlich andere ist. myON-ID geht sogar noch einen Schritt weiter: Per “Copy” und “Paste” kann man seit kurzem Ausschnitte von Internetseiten markieren und mit einem Bookmarklet in den eigenen Content Stream einfügen und kommentieren.
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