Hier hat sich doch mal wieder einer gedacht, dass es zum guten Ton gehört, ein bißchen Wind aus den Twittersegeln zu nehmen.
Ja, der Hype um den Microbloggingdienst war letztes Jahr nicht zu übersehen aber haben Sie denn wirklich geglaubt, dass mit Twitter eine moderne Form des Goldesels erfunden wurde? Das glaub ich nicht! Hier nun mal wieder ein Beweis: die Registrierungen gehen zurück und die Followerzahlen halten sich bei den meisten unter der Einhunderter-Marke. Und dann das noch: Laut adzine.de wird ein Ende des Twitter-Hypes prognostiziert. Oh nein, bitte nicht! Wird Twitter also bald sterben? Waren meine 52 gesendeten Tweets etwa Zeitverschwendung? War das Twitterseminar totaler Geldrauswurf? Alle wertvollen Kosten und Mühen sind umsonst gewesen?
Alles Bullshit!
Schaut man sich den Bericht, der von Hubspot geliefert wurde, genauer an, wird man viel interessantere Daten, als die sinkende Anzahl der Newbies finden. Dort zeigen Zahlen nämlich, dass Twitter informativer und qualitativ hochwertiger geworden ist. Viel mehr Personen fügen ihrem Account eine Bio mit URL hinzu und im Durchschnitt wird mehr verfolgt und häufiger gezwitschert. Twitter wird außerdem internationaler - Deutschland ist nun, im Vergleich zum Juli 2009 (also gerade mal vor einem halben Jahr), unter den Top 10 Locations weltweit. Das sind positive Zahlen, darüber kann man sich freuen. Die Headline von adzine.de sollte also heißen: "Twitter wird für deutsche Unternehmer immer interessanter"
Der einzige Hype, der jetzt vorbei ist, geht vom Hype-Erschaffer selbst aus. Ashton Kutcher ist derjenige, der uninteressant(-er) geworden ist. Wegen ihm haben sich damals Millionen Teenies und Groupies, die nie einen anderen Nutzen auf Twitter gesehen haben, als ihrem Idol näher zu kommen, bei Twitter angemeldet. Nachdem diese aber nach dem hundertsten Versuch, mit Kutcher zu "chatten", keinen Erfolg verbuchen konnten, wurde es ihnen zu öde auf dieser Plattform und sie kehrten zu ihren "normalen" Freunden auf Facebook oder den VZ's zurück. Genau diese Twitter-Accounts liegen nun aber brach und begünstigen somit die schlechte Statistik, die eigentlich gar keine ist.
Immer wieder fragen mich Privatpersonen und Unternehmer, was sie denn mit Twitter anstellen sollten. Von Privatpersonen kommt meistens die Aussage: "Ich hab doch nix zu erzählen". Wenn das so gesehen wird, ist das vollkommen legitim, es ist schließlich nicht jeder so exhibitionistisch veranlagt wie ich. Ich glaube aber die meisten haben einfach nur Angst, dass ihnen keiner zuhört. Womöglich hatten sie Twitter sogar schon in der "Hypephase" ausprobiert aber nicht den gewünschten "aplusk-Effekt" erzielen können.
Was? Es interessiert keinen, wenn Sie erzählen, dass sie gerade fast von der Leiter gefallen wären, als ein überdimensionales Eichhörnchen auf ihrer Balkonbrüstung entlang marschiert ist? Hat keiner über Ihren Witz gelacht, der im Männergesangsverein doch jedes Mal ein Brüller ist? Sehr tragisch! Aber wissen Sie woran das liegt? Am fehlenden Dialog. Sie sind kein Ashton Kutcher und werden es auch nie sein. Sie müssen sich ihre Twrötchen (= Twitterbrötchen) selbst verdienen und zu dem sehr viel Mühe für den Erhalt ihrer Twans (= Twitterfans) aufbringen. Das ist es Ihnen nicht wert? Dann ist Twitter auch nichts für Sie.
Diejenigen, die immer noch an der Stabilität von Twitter zweifeln und sich fragen, ob denn ein Twitterprofil überhaupt Sinn machen würde, sollten sich zu aller erst fragen, was sie mit einer Twitterpräsenz bezwecken möchten. Wozu braucht man unbedingt 31.584 Follower, die einem dann doch nicht zuhören? Wenn Sie nur 10 Follower haben aber mit diesen zehn gegenseitig von einander profitieren können, dann ist dies doch mindestens genauso viel wert wie 540.546 Follower. Vielleicht interessiert Sie ja aber auch nur, was in der Welt alles passiert. Twitter ist ohne viel Technologie zum größten und schnellsten Newsaggregator der Welt geworden. Schon allein das verdient eine Registrierung ohne den Wunsch nach einem einzigen Follower.
Ich, für meinen Teil, bin jedenfalls froh, dass der Supermegahammerhype vorbei ist. Menschen oder Unternehmen folgen mir jetzt, weil ich interessant für sie bin. Sei es mit meinen Dialogen, Kommentaren, Artikeln oder weil sie mich persönlich kennen. Twitter macht jetzt Spaß, denn es sind keine unbekannten Follower mehr, sondern Personen, von denen ich eine Reaktion auf meine Tweets bekomme und von denen auch ich sehr viel lernen und erfahren kann. Das ist der Grund, warum ich Twitter so schätze.
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